Sehnsucht nach Afrika < Bilder von Sue Schulze im Pantheon > Von Christine Hardt
Impulsiv verteilt Sue Schulze die auf das Papier geworfene Dispersionsfarbe mit der Handfläche
und den Fingern,zieht mit Pastellkreide kraftvolle Linien, um ihren Formen Konturen zu verleihen
und die notwendigsten Details herauszuarbeiten. In ihrer ersten Ausstellung zeigt die in Bonn
lebende Künstlerin (Jahrg. 1955) Arbeiten, die ganzaus dem Gefühl heraus entstanden sind:
Ihre künstlerische Handschrift zeugt von einer innerenSpannung, die sich im Schaffensakt
explosionsartig entlädt.
Sue Schulze, gelernte Theatermalerin, ist als Weiße in Südafrika geboren und aufgewachsen.
Ihre Sehnsucht nach dem schwarzen Kontinent und seinen Menschen ist es, die in den Bildern
ihren Ausdruck findet. Vor allem die Farbewird so zum Bedeutungsträger:In den abstrakten Gemälden überwiegen, den Himmel über Deutschland spiegelnd, Weiß und Grau
gegenüberden an Afrika erinnernden Erdtönen. Wenige große Farbflächen dominieren.
Dort aber, wo der Mensch im Zentrum der Arbeiten steht,tritt die Betonung der Fläche zugunsten
einer verstärkten Linienführung zurück. Teilweise drohen die meist frontal gesehenen Gesichter
hinter einer Flut von Farbstrichen zuverschwinden. Rotbraun, Orange und Ocker herrschen vor.
Dabei sind die Figuren meist nur durch ihre farbig umrissenen, negroiden Züge als Schwarze zu identifizieren.
„Mother and child" dagegen stellt innerhalb der Ausstellung „Menschenbilder" im Pantheon eher
eine Ausnahme dar: Großflächig aufgetragen, kommt die Ausstrahlung der warmen Farben hier voll
zur Geltung und trägt, zusammen mit dem Ausdruck in den Gesichtern der beiden Figuren, zu einer fast kontemplativen Bildwirkung bei.

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